Donnerstag, 6. August 2020

Geier in Spanien: Bitte zu Tisch!


Geierpopulationen in Südeuropa

 
Warum gibt es gerade in Spanien so viele Geier? Ist das ein positives Zeichen dafür, dass hier Naturschutz und Umweltschutz funktioniert? Warum aber gibt es in dem Nachbarland Portugal oder auch in Frankreich viel weniger Geier?
Geierpopulation Mönchsgeier und Gänsegeier Spanien
Mönchsgeier und Gänsegeier in Spanien 
  
Der Himmel hat keine Grenzen. Wenn Vögel bestimmte Länder lieben oder meiden, dann hat das andere Ursachen als irgendwelche Linien auf den Karten. Spanische Vogelschützer haben das einmal mehr am Beispiel von Schmutz-, Mönchs- und Gänsegeier gezeigt, die verständlicherweise keine staatlichen Grenzen achten.
Betrachten wir einmal die gesamte Region: In Portugal, Spanien und Südfrankreich haben die Geier ähnliches Klima. Ähnliche Landschaften, ähnliche Nistgelegenheiten. Woran kann es sonst liegen?
 
Als erstes denkt man, in Portugal gibt es vielleicht weniger Rinderherden und Schafe und damit weniger Tote Tiere für die Geier, aber die Zahlen sind sehr ähnlich.

Die nächste Frage: Unterscheidet sich die Landschaft jenseits der Grenzen? Die Antwort ist wieder „Nein“, die Landschaft ist nahezu identisch. Zum Teil mediterran, zum Teil gemäßigt sommertrocken, bergig bis gebirgig mit Felswänden, extensive Landwirtschaft und Buschland oder auch Wälder.

Vergleichen wir schließlich die Gesetzgebung in den beiden Ländern:
Da liegt wohl der „Hase im Pfeffer“! .... Aber warum? Die Ursache liegt beim Skandal um BSE und Rinderwahnsinn. Die EU verbot um das Jahr 1999, tote Körper von Rindern und anderen Tieren wie Schafen und Ziegen einfach liegen zu lassen. Das war bis zu diesem Zeitpunkt in der zum Teil unwegsamen und dünn besiedelten Landschaft des angesprochenen Großraumes absolut normal gewesen. Das Resultat der Maßnahme: In Spanien, Frankreich und Portugal gingen die Bestände die Geier massiv zurück. Sie verhungerten!
 


Spanien ist also ein Paradies für Geier?

Schmutzgeier Spanien Naturreisen
Schmutzgeier 
 
Spaniens Vogelschützer vermuten, dass tote Körper von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen 70 bis 80 Prozent der Nahrung der verschiedenen Geierarten bedeuten. Die Vogelschützer Europas drängten nun in den Folgejahren auf Lockerung der Restriktionen und seit rund 2011 werden in Spanien wieder Tierkörper in der Landschaft gelassen. Ja es dürfen sogar Tierkörper kontrolliert aus der Massentierhaltung in die Landschaft gebracht werden, um dort Geier zu füttern. 
Die Länder Portugal und Frankreich behielten das Verbot bis heute bei. Landwirte und Massenproduzenten von billigem Fleisch hier müssen gestorbene Tiere auch in Zukunft verbrennen. Das bedeutet: Die Länder Portugal und Frankreich bietet somit den Geiern kaum Nahrung, obwohl die Landschaften voller Kühe, Schweine und Schafe sind. Nun, ja ganz ehrlich sind ja die Landschaften nicht mehr voller Tiere, sondern zunehmend die Hallen, in denen die Tiere wie ein „Industriegut“ ihr Leben fristen müssen....
 
Daraus folgt: Heute hat es in Portugal und Frankreich nur jeweils wenige Brutpaare von auch wie in Spanien vier Geierarten. In Spanien hat es mehr als 40.000 – allen voran allem Gänsegeier, die in verschiedenen Studien gut untersucht sind. Die Geierpopulation hat heute sogar ein historisches Hoch erreicht. Und um zum Beispiel die Population in den Nachbarländern wieder erhöhen, könnten die Regierungen dort die spanische Methode übernehmen, finden einige Natur- und Vogelschützer. 
 


Weiß der Geier - oder weiß er nicht?! Welcher Weg ist nun richtig?

 
Spanien hat viele Geier. Vielleicht unnatürlich viele? Denn die Viehdichte ist ja nur wegen der Menschen und den vielen Millionen zu stopfenden Mäulern und der ungehemmten Erzeugung von Billigfleisch so hoch. Sicher gehören Tiere, welchen in Herden auf der Weide stehen, dann als tote Tiere in die Landschaft. Aber wenn durch als kostengünstige angesehene Entsorgung von Tierkörpern aus Massentierhaltung eine künstlich hohe Geierpopulation gibt, dann ist das schon bedenklich. 
Den Geiern in Spanien werden vielleicht auch zunehmend ihre Fähigkeiten abhanden kommen, Futter selbst aufzuspüren. Sie könnten ihr natürliches Verhalten ändern. Später nicht mehr „urwaldtauglich“ sein? Die hohe Population ist somit nicht ein Resultat von besserem Natur- oder Landschaftsschutz. Sondern ein Ergebnis des „Inputs“ aus menschlicher Hand. Also massive Nährstofffreisetzung in der Kette der menschlichen Nahrungserzeugung. 
 

Geier und Birdwatchingtourismus

Gerfutterstelle Die Naturreise Gänsegeier
Geierfutterstelle in Spanien © Alinya Jordi Dalmau-AUBÈRRIA
 
Die Touristen, insbesondere die Naturfreunde und Vogelgucker freut es. An Futterstellen ist es ohne großen Aufwand möglich, Geier aller Arten aus geringer Entfernung zu sehen und fotografieren. In vielen Schluchten und an vielen Felswänden ist es relativ einfach, die Geier bei der Rast oder auch Brut mit dem Fernglas zu bewundern. 
Auch wir als Anbieter von Naturreisen in Spanien integrieren dieses Naturschauspiel gerne in unsere Reisen. 
Die Möglichkeit, Natur in Europa so hautnah zu erleben, hebt sicher auch die Bereitschaft diese dann zu schützen. Und somit sehen wir die Sache mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 
Ähnliche Effekte können wir auch zum Beispiel bei den Störchen betrachten. Sie sind genauso Kulturfolger, wie die Geier. Es ist schön zu sehen, wenn sie wieder oder gar erst jetzt häufig anzutreffen sind. Nur es sollte verstanden sein, dass es kein Resultat von besserem Naturschutz und Umweltschutz insgesamt ist. Denn nach wie vor ist der dramatische Rückgang von rd. 80 % aller Vogelarten in Europa ungebremst. 
 
 

DieNaturreise, ihr Veranstalter für besondere Reisen in die schönsten Regionen Spaniens

DieNaturreise - Reiseleiter
 Sabrina & Stephan von DieNaturreise

Wir veranstalten Reisen in der Natur Spaniens und anderen besonderen Naturregionen in Europa und Lateinamerika. Durch Spanien reisen wir besonders gerne. Immer wieder faszinieren uns die schönen unberührten Ecken des Landes, die mit dem Massentourismus nichts zu tun haben.
Gemeinsam können wir diese Ecken erkunden und dazu beitragen, dass diese Regionen geschützt bleiben. 
 

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